Outdoor mit Blitz - ist es mir nicht hell genug?

Aktualisiert: Juni 19

Nach einem langen Marsch und noch längeren Armen hören wir das Wasser plätschern - die Wupper schlängelt sich durch die noch nicht so üppigen Ufer. Ihr Strom wird durch einige im Wasser liegende Gesteinsbrocken umgeleitet, es plätschert und die Vögel zwitschern - schon schön, so ein Tag am Wasser! Zurück zu meinen langen Armen: ich stelle eine Kiste voller Fotokrams ab und schaue mir die für heute auserwählte Location an. Die Sonne steht schon recht tief, aber genau das wollen wir ja - denn so schickt sie uns noch ein warmes, schickes Streiflicht über die Landschaft. Zufrieden wühle ich in meiner Kiste und suche nach meinem Licht- SetUp.

Das Modell ist schon fertig angezogen und geschminkt - zur Zeit eine wahre Bereicherung, da mit einer Visagistin nur schwer zu planen ist (Chaos durch Pandemieregeln - olé). Während ich weiter in meinem Fotokrams wühle, setzt sich Lisa ihre neue Waldelfen- Krone auf und durchsucht ihren eigenen, mitgebrachten Fundus. Irgendwo hat sich noch ein neuer Zauberstab versteckt.

Das Ergebnis meiner Wühlerei ist mein neuer Lichtfreund Godox AD200, ein Stativ und ein riesiger, weißer Durchlichtschirm. Zufrieden stecke ich alle Teile meines Lichtpuzzles zusammen und erfreue mich einen kurzen Moment an diesem mobilen Licht mit ordentlich Bumms.


Aber draußen ist es doch hell!

Du fragst dich, warum ich bei herrlichstem Sonnenlicht, warm und tief stehend, einen Blitz auspacke? Weil ich - ganz Blitzlichtfanatikerin und Sonnenlichtvermeiderin - die Sonne tatsächlich nicht als Hauptlicht nutzen werde. So!

Denn nachdem wir uns ein wenig warm fotografiert haben - Lisa sich einmal durch eine Handvoll Posen bewegt hat und ich verschiedene Kombinationen aus Blitz- und Sonnenlicht getestet habe - sind wir soweit für ersten ernsthaften Bilder. Ich positioniere mir Lisa also so, dass die Sonne als Gegenlicht oder als schräg hinten von der Seite einfallendes Streiflicht steht: so bekomme ich wundervolle Lichteffekte in den Haare, den den kleinen Wellen im Wasser, den Kristallen in ihrer Krone.



Da aber nun die mir zugewandte Seite - also ihr Gesicht, der Oberkörper und der wallende Rock - völlig absaufen würden, kommt meine riesige Kunstlichtsonne zum Einsatz! Durch den echt großen Schirm und den kräftigen AD200 übergieße ich Lisa mit super weichem Licht von genau dort, wo ich es haben möchte. Und schau mal, was mit dem Rock passiert! Sein Faltenwurf wirkt nun - da das Grün farblich gesehen nicht mehr absäuft - viel plastischer und bewegter.

Und welche Vorteile hat dieser Blitz nun?

Und schon kommen wir zu dem absoluten Super-Vorteil von mitgebrachtem Licht in der Natur: du bist unabhängig!

In einem Wald zum Beispiel ist es furchtbar dunkel - unser Auge gewöhnt sich da sehr schnell dran, doch eine Kamera sieht das sprichwörtlich anders. In einer solchen Situation schönes Licht zu bekommen, kann wirklich eine Herausforderung sein. Und Vorsicht: ein dichtes Blätterdach zaubert grünes Licht in das Gesicht deines Modells!

Wenn jetzt noch Wolken an der Sonne vorbeiziehen, wird es im Wald schlagartig noch dunkler. Na klar, Blende auf, Iso rauf, Zeit runter - all das wäre möglich. Dumm nur, wenn ich ein weiches Portrait mit möglichst wenig Rauschen aus der Hand unverwackelt fotografieren möchte - oder eine Bewegung einfangen mag. Dann wird es einfach schwierig.



Sonne macht ihre eigenen Schatten.

Am Ende ist es für mich relativ wurscht, ob ich in einem Wald, an einer Burgruine (dort gibt es zum Beispiel mächtige Schatten durch mächtiges Mauerwerk) oder an einem Flussufer bin: ein Blitz macht mich tatsächlich mobiler. Die Sonne rast ja nun auch nicht über den Himmel, sondern braucht von Auf- bis Untergang viele Stunden. Wenn sie nun aber zur Zeit der Fotosession, welche sich aus Gründen nicht anders legen ließ, für dich als Fotograf*in unbrauchbar steht, musst du mit dem leben, was sie dir vorgibt. Steilstes Mittagslicht mit übel aussehenden Schatten; direkt hinter dir und somit genau in Blickrichtung des Modells stehend oder tief stehendes Licht und damit vielleicht dunkle Gesichtshälften oder seltsame Schattenverläufe in den Gesichtern.

In solch eher "unschönen" Lichtsituationen freue ich mich, wenn ich mich mit dem Modell entweder in den Schatten zurückziehen und dort fotografieren kann, oder die Sonne als Effektlicht nutzen und mit dem Blitz entsprechend entgegenwirken kann.

Und nebenbei: es ist auch ein beachtlicher zeitlicher Unterschied, ob ich für eine andere Beleuchtung des Modells das Stativ verschiebe und den Blitz neu ausrichte, oder warte, bis sich die Sonne entsprechend weit am Himmel bewegt hat. Nur mal so erwähnt.

Hier siehst du sehr gut, dass der große Schirm die Schatten des Sonnenlichts sehr angenehm aufhellt. Trotz viel Licht von "oben-vorne" (aka hochfrontal) glitzern die Steinchen in der Krone und die Haare leuchten.


Zurück zu unserem Ufer, den Steinen und dem herrlichen Plätschern des Wassers!

So standen wir dort und fotografierten verschiedene Posen, Utensilien und Kronen ab, die Sonne tat ihr Bestes als Kopflicht/ bzw. Effektlicht und der AD200 gab alles für ein schönes Hauptlicht. Noch ein Vorteil: im Gegensatz zu Felsbrocken und Flussverläufen ist ein Stativ sehr beweglich und somit der Umgebung anpassbar. Du hast immer die Möglichkeit, das Licht nach deiner Vorstellung zu positionieren, ohne dass du den Fluss umbetten musst ;)


Beim linken Bild wirkt der Schirm wie eine Verlängerung des untergehenden Sonnenlichtes, die Sonne hier bei eher ein Streif- als ein Gegenlicht. Beim rechten Bild wiederum bin ich mühselig durch ein Gebüsch gekraxelt und habe Lisa wieder im Gegenlicht fotografiert. Dadurch wirkt vor allem die Krone plastischer.


Sonne: ein Effekt - Reportageblitze: mehr Effekte

Gerade im Fantasybereich nutze ich die Möglichkeit häufig (diesmal nicht), mit den Reportageblitzen via Funkauslösung weitere Lichteffekte zu zaubern. Ja, natürlich kann ich via Photoshop hinterher alles mögliche in ein Bild hinein retuschieren. Auch Lichteffekte kann man recht einfach einbauen. Und darauf werde ich bei den entstandenen Flussbildern auch zurückgreifen. Allerdings kann ich mir trotz all dieser digitalen Möglichkeiten schon vorher einiges an Arbeit durch Effektblitze abnehmen. Vor allem habe ich hier dann einen physikalisch korrekt verlaufenden Schatten, und muss mir auch um Farbverläufe keine Sorgen machen - das erledigt der Blitz ganz von alleine. Und Farbfolien sind dabei eh meine kleinen Alltagshelden - die gehen einfach immer und sorgen schon out of Cam für einen Fantasylook. Dazu findest du noch einmal einen eigenen Artikel, in dem ich dir erklären, was man mit dem Aufsteck-/Reportageblitz so alles anstellen kann.


So sieht das Ganze aus Assistentensicht aus

Wir sind mit den entstandenen Bilder zumindest sehr zufrieden und warten darauf, was ich mit Photoshop und etwas Zeit daraus machen werde.

Wenn du magst, kann ich dich in einem Blog dabei mitnehmen, wie ich aus einem dieser Bilder mehr mache als Wasserelfe vor Fabrikgebäude... Interessiert?

Lass es mich in den Kommentaren wissen!

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen