So vielseitig nutze ich den Reportageblitz - indoor, outdoor und als Farbklecks

Aktualisiert: Jan 30

Nur noch einen Klick war ich entfernt mein Konto mit weiteren gut 300 Euro zu belasten. Mal wieder Geld für Fotoequipment ausgeben. Doch selten fiel es mir auch nur annähernd so schwer, neue Technik anzuschaffen. Ein Blitz und passendes Zubehör von der Firma Godox sollte es sein.

Ich klapperte noch einmal meine innere Pro- und Contra- Liste ab: endlich Reportageblitze auch im Set fernsteuern können, draußen selbst bei langen Wegen Blitze nachregeln können, outdoor einen leistungsstarken Akku- Blitz haben, einen weiteren Blitz mit Kompatibilität zu meinem bestehenden Set besitzen, dank hoher Leistung auch outdoor weit weg vom Model sein können (im Jahr 2020 war dies eine ganz neue Regel). Das war die Pro- Seite. Auf der Contra- Seite fand ich: weitere Geldausgaben, fehlendes Einkommen durch ausbleibende shootings wegen Pandemie.

Trotzdem: *klick*

1. so stand ich anfangs zu Reportageblitzen

Wenige Tage später hielt ich meine Bestellung in der Hand. Ein transportabler, akkubetriebener Blitzkopf, ein Adapter zur Nutzung von Elinchrom- Zubehör, ein Sender und zwei Empfänger - eigentlich ein recht großer Fang für relativ wenig Geld. Verglichen mit den führenden Marken im Highend- Sektor nahezu lachhaft. Aber momentan war jeder Euro ein Wagnis - in Zeiten der großen Pandemie werden Fotosessions nur spärlich gebucht, entweder aus Angst, sich anzustecken, aus Geldmangel oder sie müssen auf Quarantäne- Anweisung abgesagt werden.

Nun gut, trotzdem stand ich hier mit meinem neuen Equipment in der Hand. Ein Upgrade meiner Reportageblitze. Vor gut 5 Jahren hätte ich nie gedacht, dass ich mich viel mit diesen Aufsteckblitzen beschäftigen würde. Meistens haben sie mich eher genervt. Entweder haben sie viel zu stark belichtet, indirektes Blitzen sah meist flau und falsch aus und die Ladezeiten waren ein Graus. Diese TTL- Messung war genau so gegen mich wie die unpraktische Bedienung. Erklären konnte es mir auch niemand so recht. Hauptsache war aber, dass ich für Originalzubehör ein Heidengeld ausgegeben hatte und es nicht recht zu nutzen wusste. Meistens fristete der Aufsteckblitz eher ein tristes, einsames Leben in einer Kameratasche.



2. als Aufheller und Farbwunder entdeckt

Irgendwann stolperte ich über kleine Steuerungseinheiten von recht günstigen Zweitherstellern. Bestellt und sofort für gut befunden. Damit konnte ich meinen kleinen Aufstecker nun endlich als „richtigen“ Blitz nutzen. Ich musste ihn nicht mehr frontal aufs Model halten, da ich ihn durch diese Steuereinheit endlich von dem Blitzschuh auf der Kamera lösen konnte. Entfesseltes Blitzen ahoi! Allerdings funktionierte dies nur mit vorheriger manueller Einstellung, eine Übertragung von Kameradaten an den Blitz war nicht drin.



Und weiterhin nutzte ich ihn eher draußen als Aufheller, da mir im allgemeinen das Licht viel zu hart war. Heute weiß ich, dass ich von einer solch kleinen Lichtquelle auch nix anderes erwarten kann - lustiger kleiner Diffusor hin oder her. (diese schnuckelige kleine Plastikkiste, die vom Hersteller aus immer beigepackt wird)

Im Studium erfuhr ich von netten kleinen Farbfolien (amazon-link), welche man sich direkt mit Tesafilm vorn an den Blitz kleben kann. Das war ein absolutes Weltwunder für mich! Es ist so banal und schon fast traurig, aber von alleine kam ich da vorher nicht drauf.


Aufsteckblitz mit Farbfolie - Slave- Funktion

Somit nutzte ich diesen Blitz nun als zusätzliche Lichtquelle bei sehr vielen Sessions, immer mit einer kleinen Farbfolie versehen für bunte Akzente. Es dauerte nicht lange und es kam ein weiterer Reportageblitz - gebraucht und mit geplatztem Display - in meine Sammlung. Mir war vor allem wichtig, dass dieser Blitz eine Slave- Funktion hatte: wenn mein alter Reportageblitz mit dem Empfängermodul ausgelöst wurde, konnte der neue Blitz einfach durch die Slave- Funktion mitblitzen. So sparte ich mir den Kauf eines weiteren Empfängermoduls.


3. transportable Softbox: Gamechanger

Im Fotoladens meines Vertrauens erstand ich durch Zufall eine faltbare Hectabox, in welche sich ein Reportageblitz einklemmen und sogar auf einem Studiostativ befestigen ließ. Hiermit bekam ich schonmal ein schöneres Licht als vorher, ein wenig wie aus einer Beauty-Dish. Außerdem war das kompakte Design sehr praktisch für mobiles arbeiten.

Doch trotz allem hatte ich oftmals Schwierigkeiten damit, dass die Fernsteuerung der Blitze nicht einwandfrei funktionierte. In diesen kleinen Dingern ist eine Fotozelle eingebaut - dies bedeutet, dass sie auf das Lichtsignal des ausgelösten Blitzes reagiert und auslöst. Da Licht bekanntermaßen sehr sehr schnell ist, nehmen wir es als eine Auslösung wahr, das Bild ist also entsprechend der Einstellungen und Wünsche vernünftig beleuchtet.

Und jetzt die Challenge: Fotosession bei hellem Umgebungslicht aka Sonne. Na, was löst nicht aus? Richtig, der zweite Blitz, der auf die Fotozelle angewiesen ist. Das sehr helle Umgebungslicht macht den Lichtimpuls zunichte und die Fotozelle „sieht“ nichts, bzw. alles gleich.

Weitere Challenge: Fotozellen- Blitz steht irgendwo im Set, Model verdeckt Fotozelle. Richtig, gleiches Problem, gleiches Ergebnis: der ach so schöne Farbeffekt bleibt aus, Blitz macht nichts.

Dies bereitete mir lange Zeit arg gequälte Nerven.


Nutzung der Hectabox bei einem Paarshooting durch Assistent


4. wie ich beim Godox- System landete und warum mir Fernsteuerung so wichtig ist

Nach meinem Studium - welches mir regelmäßig jegliches Geld für irgendwas unglaublich Wichtiges vom Konto zog - beschäftigte mich sehr häufig das Thema „Licht auf Outdoor- Sets ohne Stromquelle“. Halten wir fest: um mir regelmäßig Licht gegen Gebühr zu leihen bin ich zu knauserig. Vor allem, wenn ich mich mal wieder in einer tfp- Session austoben und Dinge ausprobieren will. Da möchte ich wirklich nur ungern Geld für so etwas ausgeben.

Und trotzdem nervten mich immer wieder oben genannte Hindernisse. Meine Recherchen bei bekannten Herstellern ergaben ungeheure Kosten für gerade mal ein Blitzgerät. Wenn dann noch der Akku, das Ladegerät und diverse Adapter für vorhandenes Zubehör dazu kamen… ciao.

Irgendwann landete ich bei Geräten von Godox. Von dieser Marke hatte ich schon häufiger von meinen Kommilitonen gehört, die durchweg zufrieden waren. Nach eingehender Recherche erstand ich das zu Anfang genannte Set.

Was mich an dieser Kombination am meisten beeindruckt: ich habe einen leistungsstarken Blitz, den ich mit Akkubetrieb draußen im Nirgendwo ohne Probleme nutzen kann, dazu kommen meine Reportageblitze, die ebenfalls mitspielen dürfen. Und das ohne diese veraltete Fotozellen- Technik, sondern über Funk mit bis zu 80m Reichweite. Denn für das Ganze gibt es einen großen Sender, der auf die Kamera kommt und schon kann ich alle drei (oder mehr) Blitze einzeln einstellen. Herrlich. Dank Pandemie konnte ich das Ganze bisher nur einmal outdoor testen. Doch ich bin schon jetzt begeistert.


5. Fazit: das alles kann man also mit den kleinen Wundern schaffen

Der von mir gekaufte Blitz Godox AD 200 pro

sowie die Steuereinheit lassen mich draußen weit ab von jeder Steckdose blitzen wie im Studio. Somit bin ich nicht abhängig davon, ob die Sonne scheint oder nicht. Licht geht immer. Außerdem kann ich die kleinen Reportageblitze mit den Empfängermodulen in ihrer Leistung regulieren oder sogar ausschalten - somit bleibe ich sowohl Aufhellern als auch Farbklecksen treu. Mein bestehendes Set ist jederzeit erweiterbar, falls ich einfach noch mehr Licht brauche. Und was ich auch wichtig finde, ist, dass ich meine Lichtformer aus dem Studio alle nutzen kann, da es passend zu dem Blitz AD 200 pro einen Adapter für Lichtformer gibt. Genau mein Ding. Ob Softbox, großer Schirm, Snoot oder Beauty-Dish mit Wabe: alles bleibt verwendbar und der Workflow unverändert. Meine erste Erfahrung mit diesen kleinen Technikwundern konnte ich bei einer Fotosession für ein Hochzeitspaar sammeln: mich beeindruckte vor allem die Leistung des Godox- Blitzes, welche die der Reportageblitze weit übertrifft.


Ich freue mich auf jeden Fall auf weitere Experimente damit!



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